Raumansicht der Ausstellung WEATHER in der Galerie Schnitzler & Lindsberger.

Die Galerie Schnitzler und Lindsberger vertritt in erster Linie Emerging Artists, junge Künstlerinnen und Künstler mit großem Potenzial, die bereits international im Rahmen von Gruppenausstellungen und ersten Personalen reüssiert haben. Als Gemeinsamkeit all dieser Positionen lässt sich die Auslotung des Spannungsfeldes zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion festmachen.

Ein wichtiges Ziel dieser Galerie ist es, Kunstinteressierte in Kontakt mit Werken von hoher Qualität zu bringen und sie über Möglichkeiten zu beraten, wie sie Kunst als festen Bestandteil ihres persönlichen Lebensumfeldes etablieren können. Menschen, deren Faszination für Kunst gerade erst entfacht wurde, finden hier ebenso eine fundierte und individuelle Beratung wie leidenschaftliche Kunstliebhaberinnen und Kunstliebhaber und Personen, die beabsichtigen, eine Kunstsammlung aufzubauen. Auch erfahrene Sammlerinnen und Sammler, die offen sind für neue Entdeckungen, finden hier eine spannende Werkauswahl.

Nicht zuletzt hat sich die Galerie Schnitzler und Lindsberger in den letzten Jahren als lebendiger Ort des Dialogs etabliert, an dem künstlerische Themen und Herangehensweisen auch mit Kunstschaffenden im persönlichen Gespräch diskutiert werden können.

Dr. Andreas Schnitzler ist promovierter Kunsthistoriker. Er kennt die internationale und regionale Szene ebenso wie die Marktgesetze, nach denen die Branche heute funktioniert.

DI Georg Lindsberger ist Unternehmer und begeistert sich für Kunst als universelles Ereignis. Kunst heißt für ihn, nie aufzuhören, Dinge in Bewegung zu bringen.

Portrait von Andreas Schnitzler, Mitgründer der Galerie Schnitzler & Lindsberger.
Portrait von Georg Lindsberger, Mitgründer der Galerie Schnitzler & Lindsberger.

Ein Gespräch über zehn Jahre Galerie Schnitzler & Lindsberger und kuratorische Kontinuität

Seit ihrer Gründung im Jahr 2016 ist in der Galerie Schnitzler & Lindsberger ein Programm entstanden, das aus der kontinuierlichen Zusammenarbeit mit Künstler:innen und dem Interesse an zeitgenössischer Kunst gewachsen ist. Im Gespräch erzählen Andreas Schnitzler und Georg Lindsberger über die Entwicklung der Galerie, die Zusammenarbeit mit Künstler:innen sowie über Fragestellungen, die das Profil der Galerie prägen.

Wenn ihr auf die Anfänge zurückblickt: Wie hat sich das Profil der Galerie in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?

Vieles hat sich aus der Arbeit heraus ergeben. Schon früh hat sich gezeigt, dass uns Positionen interessieren, die sich zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion bewegen. Diese Linie hat sich über die Jahre weiter verdichtet. Uns war immer wichtig, ein Programm zu machen, hinter dem wir langfristig stehen können, und nicht einzelnen Trends zu folgen.

Nach welchen Kriterien entscheidet ihr, welche künstlerischen Positionen Teil des Galerieprogramms werden?

Entscheidend ist zunächst die Qualität der Arbeit, aber wichtig ist auch die Frage, ob sich eine Position weiterentwickeln kann. Uns interessieren keine kurzfristigen Erscheinungen, sondern künstlerische Haltungen, die über längere Zeit Bestand haben und ein großes Entwicklungspotenzial aufweisen.

Welche Möglichkeiten kann eine Galerie jungen Künstler:innen eröffnen, die institutionell noch wenig sichtbar sind?

Gerade am Beginn einer künstlerischen Laufbahn fehlt oft die Möglichkeit, Arbeiten regelmäßig zu zeigen und ein Publikum aufzubauen. Eine Galerie kann hier Sichtbarkeit schaffen und Kontinuität ermöglichen. Gleichzeitig ist es nicht immer einfach, öffentlich sichtbar zu werden. Wir finden es wichtig, dafür einen Rahmen zu schaffen.

Welche Aufgabe erfüllt eine Galerie heute: Markt, Vermittlung oder Diskurs?

Wir glauben nicht, dass sich das voneinander trennen lässt. Natürlich spielt der Markt eine Rolle, weil der Verkauf für viele Künstler:innen eine wichtige Voraussetzung ist, um weiterarbeiten zu können. Gleichzeitig war uns wichtig, dass die Galerie mehr ist als ein Ausstellungsraum. Wir finden es spannend, wenn Künstler:innen selbst durch Ausstellungen führen oder wenn Gespräche und Lesungen innerhalb von Ausstellungen stattfinden. Dadurch entsteht eine neue Tiefe, die anders nicht erreichbar wäre.

Was macht für euch ein gutes Galerieprogramm aus?

Eine Stringenz im Programm. Für die Besucher:innen sollte sich gut erschließen, warum diese Arbeiten gerade hier gezeigt werden. Nur so kann ein Alleinstellungsmerkmal entstehen, das uns von anderen Galerien unterscheidet.

In welchem Verhältnis stehen die von euch gezeigten Künstler:innen zu kunsthistorischen Traditionen?

Da wir in erster Linie Malerei zeigen, ist diese kunsthistorische Tradition automatisch präsent. Der Bezug zur Geschichte verstärkt sich natürlich noch, sobald die Fläche als Ort der Illusion verwendet wird. Da wir unseren Fokus auf gegenständliche Malerei gerichtet haben, können zeitgenössische Arbeiten nur im Kontext der Geschichte richtig verstanden werden. Künstler:innen wie Bianca Regl, Christoph Srb oder Stefan Wirnsperger setzen sich auch sehr bewusst mit der Geschichte der Malerei auseinander.

Wie verändert sich der Blick auf ein Werk, wenn man eine:n Künstler:in über viele Jahre begleitet?

Wir sehen künstlerische Arbeiten losgelöst von einzelnen Künstler:innen als autonom existierende Werke. Natürlich fließen Charakterzüge und die Persönlichkeiten der Künstler:innen oft in ihre Arbeit mit ein. Es gibt Künstler:innen, die sehr detailverliebt sind und gewisse Elemente in ihren Arbeiten fast pedantisch herausarbeiten. Diese Personen sind auch im täglichen Leben oft sehr strukturiert und genau. Für die Sichtweise auf ein Werk spielt das für uns jedoch keine Rolle. Da dominiert die Frage nach der Qualität der Arbeit.

Gibt es Positionen oder Konzepte, die ihr künftig noch stärker in den Fokus rücken möchtet?

Für uns wird es immer wichtiger, verstärkt Künstler:innen in die Entstehung von Ausstellungen einzubinden. Künstler:innen bilden oft Allianzen und gestalten Ausstellungen relativ autonom, wie es etwa bei Alfons Pressnitz und Stefan Wirnsperger in der Ausstellung „Close Viewing Distance“ der Fall war. Oder sie haben eine Idee für eine Ausstellung und kuratieren diese dann auch – wie bei der Ausstellung „Weather Master“, die von Anja Korherr konzipiert und umgesetzt wurde. So bekommt man immer wieder neue Sichtweisen auf vielleicht schon bekannten Themen.

 

Das Interview führte Julia Knass.