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Einladung zur Ausstellung: Martin Veigl & Heribert Friedl

Eröffnung am Mittwoch, 03.04.2019 um 19 Uhr


Mediale Entgrenzungen


Mit den Arbeiten von Martin Veigl und Heribert Friedl zeigt die Galerie Schnitzler und Lindsberger in ihrer neuen Ausstellung „Mediale Entgrenzungen“ Kunstwerke, in denen extreme Gegensätze aufeinandertreffen und interagieren: Ausgangsmaterialien wie Fotos, Wörter oder Äste verwandeln sich im künstlerischen Prozess zu vielschichtigen Übersetzungen, die mediale Grenzen subtil durchbrechen.

 

Bei aller Unterschiedlichkeit basieren die präsentierten Arbeiten auf einem gemeinsamen Grundprinzip: Sie gewinnen Spannung aus der Verquickung starker Gegensätze. In den Werken von Martin Veigl werden Fotografien nicht einfach in das Medium der Malerei übersetzt, sondern ihm förmlich ausgeliefert, allerdings ohne die Ganzheitlichkeit der Bilder vollends aus dem Gleichgewicht zu bringen. So wird in der Serie Potpourri Figürliches gezielt von abstrakten Passagen oder dem rohen Bildträger durchsetzt, aber nicht verletzt. Vielmehr erhalten die Figuren auf diese Weise einen tragfähigen Grund, in dem die Grenzen zwischen Elementen aus unterschiedlichen Bildquellen verschwimmen. Blick- und Bewegungsrichtungen, die nach allen Seiten aus den bildlichen Zusammenhängen hinaus verweisen, bringen Bewegung in die fiktiven Szenerien.
In seinem neuesten Zyklus Overflow lässt Veigl das Figürliche schließlich ganz im Abstrakten aufgehen, die Malerei wird zur Spiegelung ihrer selbst und bannt Vorübergehendes im Moment. Diese Bilder erinnern an reflektierende Oberflächen von Flüssigkeiten und folgen dem Strom der Ereignisse in einer kontrollierten und doch flüssigen Pinselschrift.

 

Ein ähnlich labiles Gleichgewicht von Gegensätzlichkeiten findet sich bei Heribert Friedl: Dessen Serie four character words bezieht sich auf das bekannte und in vielen Versionen verbreitete Werk LOVE von Robert Indiana, der diese vier Buchstaben in knalligem Rot zwischen grün oder blau gefärbte Flächen gesetzt hat. Friedl verstärkt die Spannung zwischen Text und Bild mit einem aus dem Lot geratenem Raster, mit Balken, die sich eben erst zu formieren scheinen. Aus der Abfolge von Formen und Farben entstehen buchstabenähnliche Zeichen, die wie aus halbtransparenten Streifen rasch zusammengesetzt wirken.
Friedls soulsticks wiederum verbinden gefundene, entrindete Äste mit einer grellfarbigen Fassung, die an den internationalen Widerstandsfarbcode aus der Elektronik erinnern. Allerdings bleibt die Polarität von Natur und Schema in diesen Objekten intakt, die Stecken lassen in ihrer Urwüchsigkeit an Spielzeuge denken, an eine Zeit, in der Dinge noch beseelt waren – ganz spontan entstehen bei ihrer Betrachtung vor dem inneren Auge Bilder, die dem willentlichen Erinnern längst entzogen sind.



Galerie Schnitzler und Lindsberger

Martin Veigl, Potpourri, Öl auf Leinwand, 150 x 140 cm, 2018



Heribert Friedl, LOVE, aus der Serie Four Character Words, Druck auf Alu, 70 x 70 cm, 2018